Buchmesse Con

Dreieich, 7. Oktober 2006

Einmal Dreieich und zurück - Ein Abenteuertrip
von Petra Hartmann

Unsere Expedition in die fantastische Welt des Buchmesse Con begann im Freitagmorgengrauen. Freitag? Ja, klar, immerhin hatten Ulrike Stegemann und ich unterwegs noch zwei Stationen eingeplant. Von Sillium und Gronau aus ging es via Hannover zuerst nach Solingen, in die Heimat der „Queen of Fandom“, Christel Scheja. Christels „Legendensänger-Edition“ und Ulrikes „Elfenschrift“ hatten einen gemeinsamen Tisch auf dem Con gebucht. Außerdem hatte Christel ein Auge auf den Deutschen Phantatik Preis geworfen, dessen Vergabe jedes Jahr der Höhepunkt und Abschluss des Cons ist. Aber was heißt „ein Auge“? Christel hatte sogar zwei Eisen im Feuer und konnte sie am Ende anderthalbmal vergolden ...
Die Kartons mit Elfenschriften im Kofferraum bekamen also Gesellschaft von einer Tasche voller Legendensänger-Editionen, dann legte Co-Pilotin Ulrike das Blatt mit der Anfahrtsbeschreibung zu Christels Wohnung aus der Hand, und wir düsten weiter nach Köln. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt bekam ich mit, dass Ulrike eine Beruhigungstablette schluckte. Aber das hat nichts mit meinem Fahrstil zu tun, ehrlich.

Köln-Nippes (das heißt wirklich so, da gab’s nämlich mal eine Nippes-Fabrik) ist die Heimat von Charlotte Engmann, Autorin des Kjartan-Romans sowie einiger nicht ganz jugendfreier Schriften und Herausgeberin der legendären Vampir-Fanzines „Tales of Blood and Love“. Sie hatte uns freundlicherweise ein Quartier angeboten. Ich glaubte zu diesem Zeitpunkt noch, Köln sei ein Vorort von Frankfurt/Dreieich, und habe jetzt wieder was dazugelernt.
Auf einer kleinen Privatführung erfuhren wir, dass die Welt untergehen würde, wenn der Kölner Dom irgendwann komplett fertig würde, und entwickelten interessante Theorien über das Aussterben der Saurier und über Kölner Dämonen. Ein rosafarbener Michelangelo-David und die Figuren von Tünnes und Schäl sind mir noch in Erinnerung – und natürlich die Geschichte der Heinzelmännchen. Der Abend war nett, die Nacht kurz, und niemand hat sich über mein Schnarchen beschwert. Allerdings guckte mich Ulrike ganz perplex an, als ich am nächsten Morgen aus dem Badezimmer kam. „Du singst ja wirklich unter der Dusche...“ Ja, klar. Und wenn ich die zweite Zeile von „Singing in the rain“ kennen würde, hätte ich auch noch viel länger gesungen.

Charlie (rechts) und Ulrike vor dem "noch nicht fertigen" Kölner Dom ...

Die Anfahrt zum Con – nun, die Formulierung „Die Weibelfeldschule liegt hinter dem Feuerwehrgerätehaus“ auf >www.buchmessecon.de< war schon etwas irritierend. Um hinter das Gerätehaus zu kommen, muss man nämlich exakt vor dem Gerätehaus rechts abbiegen. Immerhin, als ich meinen tapferen Micra auf dem Lehrerparkplatz ausrollen lasse und sage: „So, da wären wir, jetzt kann ich aufwachen“, ist es knapp eine halbe Stunde vor Con-Beginn.
Die Kollegen vom Wurdack-Verlag sind schon da. Und Ernst Wurdack erkennt sogar den Karton wieder, in dem er mir vor zwei Jahren die ersten Exemplare der „Geschichten aus Movenna“ zugeschickt hat. Stabiles, unverwüstliches Zeug. Ich sorge erst mal für Umsatz und kaufe den neuen Band der Science-Fiction-Serie. Der geniale Klappentext geht auf das Konto von Heidrun Jänchen, erfahre ich. Klar, sie hatte mir damals auch meinen Klappentext von Movenna um die Ohren gehauen und solange geschimpft, bis ich die ultimative Version zusammengeschrieben hatte.
Was für ein winziger Ausstellungstisch. Kaum zu glauben, dass vier Autorinnen dort gemeinsam ihre Werke vorstellen können. Ulrike hat ihren Roman „Club Noir“ mitgebracht, Charlie hat „Kjartan, der Vitländer“ und ihren Myranor-Roman „Den Göttern versprochen“ im Gepäck.

Charlie am Stand - und vor ihr die begehrten Mini-Staffeleien ...  

Dass sie ihren homoerotischen Episodenroman „Entführung nach Alhalon“ auspackt, habe ich bereits im Vorfeld verhindert, indem ich ihr am Tag zuvor ihr letztes Exemplar abgekauft habe. Christel hat ihre beiden Romane aus der Welt des „Schwarzen Auges“ mitgebracht: „Katzenspuren“ und – mein absoluter Liebling – „Das magische Erbe“. Der Knüller am Stand ist natürlich „Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik“, nominiert als beste Anthologie und für die beste Einzelgeschichte, Christels „Der Verfluchte von Tainsborough Manor“.
Das heißt, die Anthologie war nur der zweitgrößte Knüller an unserem Stand. Am meisten interessierten sich die Leute dafür, wo wir diese genialen Mini-Staffeleien herhatten, auf denen die Bücher standen. Ulrike lüftete schließlich das Geheimnis: Die Dinger gibt es bei Ikea, sie kosten 1 Euro und sind der Hingucker auf jedem Buch-Infostand.

Ein paar Besucher an unserem Stand: Da war zum Beispiel der „Hunger-Gus“, ein kugelrunder Typ in Mönchskutte, der zusammen mit drei Kollegen das Team der „Apokalyptischen Schreiber“ bildete und uns schon zum Marburg-Con im Mai 2007 einlud. Oder Alfred Wallon, der Ulrike mit den Worten: „Na, du treulose Tomate“ begrüßte. Bernd Rothe („Welt der Geschichten“), dem ich vielleicht mal eine heimatlose SF-Story anbieten werde. Jennifer Schreiner, die von der Auswahl der Geschichten für „Satan GmbH und Co. KG“ noch etwas geschafft wirkte und sich fragt, warum so viele Autoren am Thema vorbeischreiben. Oliver Hohlstein, unser Mitstreiter vom OdysseeCon, der mir allerdings keinen Gewinn von der Odyssee-Verlosung mitbringen konnte. Schade. Oder Dieter König, der mit professionell gedruckten Werbeexemplaren auf der Suche nach einem Verleger für seinen SF-Roman „Ringfalle“ war. Und und und.

Ulrike mit Augen zu *lol* an der Seite von Gus

Armin Rössler und Heidrun Jänchen bei ihrer Duett-Lesung ...  

Die Lesung aus „Tabula rasa“ wollte ich natürlich in keinem Fall verpassen. Schockierend, wie viele Physiker sich in der Anthologie tummeln, da hatte Herausgeber Armin Rössler schon recht. Umwerfend komisch die „Duett-Lesung“ von Armin und Heidrun. Zwei Dialekte und zwei Welten prallen auf einander. Davor Nina Horvath mit ihrem schönen „Originalton Süd“ aus der austriakischen Story-Olympiaden-Abteilung, Bernhard Weißbecker und Andrea Tillmanns.
Ich habe fleißig Fotos gemacht und mich gefreut, dass ich auf der anderen Seite der Linse stehe. Das mit dem Lächeln sieht bei mir immer so doof aus.

Ulrike kriegt das Lächeln besser hin. Dafür macht sie dauernd die Augen zu, wenn ich abdrücke.
Charlie hat inzwischen alle Kjartans verkauft. Der Höhepunkt des Abends rückte näher. Im Transporterraum sammeln sich die Con-Besucher. Der Augenblick, dem alle mit Spannung entgegenfieberten, ist da: Dirk van den Boom verkündet die Gewinner. Dass „Harry Potter“ mal wieder bester Roman international ist, war vorauszusehen. 

Christel trennen in der Kategorie „Beste Kurzgeschichte nur vier oder fünf Stimmen von Jürgen K. Brandner, der für „Moordämonennacht“ (Anthologie: Wildes Land) Platz eins erhielt. „Der Verfluchte von Tainsborough Manor“ aus der Schattenchronik erhält einen ehrenvollen zweiten Platz. Wenig später steht Christel auf der Bühne und nimmt den Preis für die beste Anthologie entgegen. Die Schattenchronik hat das Rennen gemacht. Armin Rösslers Anthologie „Überschuss“ schaffte es nur auf Platz fünf. Birgit Erwin erhielt für den Thriller „Lichtscheu“ im Wurdack-Verlag den dritten Preis in der Kategorie „Bestes Romandebüt“. Mein Lieblingscomic „Wurmics - Born to be Worm“ von Matthias Herkle ging als drittbester Comic des Jahres ins Ziel und Ernst als viertbester Grafiker.

Christel Scheja und Dirk van den Boom bei der Preisverleihung ...

Am Ende eines langen Con-Tages gossen sich die letzten Mohikaner einen tiefschwarzen Kaffee hinter die Binde und machten sich auf den Heimweg. Gegen Mitternacht schlugen wir in Gronau auf, eine Dreiviertelstunde später erreichte ich das verträumte Sillium und fiel in tiefen, traumlosen Schlaf.
Die Bilanz: Ich habe deutlich mehr Bücher erworben, als ich verkauft habe. Und hatte kurzfristig zwei Tischdecken mehr als vorher (Tschuldige, Charlie, das Paket ist schon auf der Post). Wir haben viele interessante und lustige Gespräche geführt und ein paar ganz tolle Leute kennen gelernt und wiedergetroffen. Nächstes Jahr geht es wieder nach Dreieich.

Text + Fotos: Petra Hartmann