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Der >Odyssee-Con< jährte sich im August
2006 zum zehnten Mal. Das allein ist schon Grund genug, ein paar
Worte darüber zu schreiben.
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Eine
Fahrt zur Odyssee ...
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Grausam, wie früh 8 Uhr morgens sein
kann. Draußen ist es
noch stockfinster, ich bin schon vor anderthalb Stunden vom Wecker
und von meinem Vater aus dem Bett geschmissen worden, aber richtig
wach bin ich immer noch nicht, als ich meinen Micra durch die
dunklen Gassen von Gronau rollen lasse. Im CD-Player liest Rolf
Boysen die „Äneis“, total unpassend, es hätte natürlich heute
die „Odyssee“ sein sollen, egal. Endlich entdecke ich die beschriebenen Wegweiser und daneben das Haus, und auf dem Namensschild steht tatsächlich
„Stegemann“. Gefunden.
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„Wie war es eigentlich letztes Jahr mit der
Lesung auf dem Con?“
„Ach ...“ Eigentlich wollte ich über diese grausamen Szenen den Mantel der Liebe decken. Als Oliver Hohlstein und ich im Raum, der inzwischen „Biotop“ heißt, unsere Bücher ausgelegt und uns mental aufs Lesen eingestellt hatten, war nämlich nur ein einziger Zuhörer gekommen. Wir haben uns schließlich zu einer Gruppe auf den Hof gesetzt und ein paar von Olivers Freunden „zwangsverpflichtet“. Und dann habe ich auch noch – mit einem leidenschaftlich vorgetragenen Schmerzensschrei in der Geschichte „Flarics Hexen“ – ein Baby zum Weinen gebracht. Als welterfahrener Odyssee-Besucher warne ich Ulrike vor dem „Feuertopf“, der mich letztes Jahr fast das Leben gekostet hat, und sonne mich in ihrer Bewunderung für mein profundes Wissen. Am Bahnhof Zoo erwartet uns Kerstin Dirks. Eine Kollegin, die ich bisher bloß von einem Foto aus dem Internet und natürlich aus Ulrikes Zeitschrift „Elfenschrift“ kenne. Toll, wie sich diese Berliner im U-Bahn-System auskennen. Kerstin bahnt uns den Weg zum „Haus der Jugend“, und als ich oben aus dem Fenster Oliver herausschauen sehe, atme ich erleichtert auf. Geschafft. Und es ist noch gut eine halbe Stunde Zeit bis zur Lesung. |
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Als unverbesserlicher Optimist, der ich nun mal
bin, habe ich eine Bücherkiste mitgebracht, mit der wir einen Tisch
bestücken. Ein paar Stühle umstellen. „Denkt an eure Handys“.
Oh ja, letztens auf dem Nordcon in Hamburg ist Ulrikes Handy genau
bei der Lesung losgegangen. Ihr Blick – unbezahlbar. Fertig.
Und plötzlich passiert es – das Wunder von Berlin.
Die Tür geht auf, und ein Zuhörer schaut rein. Mit Kerstin sind es
schon zwei. Hundert Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Und
noch einer, und noch einer. Uuups, jetzt reichen nicht mal die Stühle
mehr, und die erste Teilnehmerin nimmt auf dem Boden Platz. |
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Oliver sagt etwas Nettes zur Einleitung,
vorstellen wollen wir uns selbst, was sagt man da eigentlich? Ich
glaube, ich habe meinen Namen gesagt und dass ich aus Sillium komme. Und dann wohl meinen Standardspruch: „Für alle, die nicht
wissen, wo Sillium liegt: 52 Grad 4 Minuten nördlicher Breite und
10 Grad 10 Minuten östlicher Länge.“ Damit dürfte alles klar
sein.
Märchen zum Thema „Wasser“ hatten wir uns als Motto gesetzt. Weil der Con auch unter dem Motto „Wasser“ stand. Und wir haben uns in fünf von sechs Märchen sogar daran gehalten. |
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Oliver hat "Die Prinzessin von
Pampelmusien" vorgelesen (eine meiner Lieblingsgeschichten von
ihm – und Pampelmusensaft ist ja fast so was wie Wasser, oder?)
und ein noch unveröffentlichtes Märchen über einen Feuerzwerg und
seinen Freund, einen Wassergeist. Ulrike hatte eine Geschichte über
das Wasser des Lebens mitgebracht und stellte einen Text aus der
Elfenschrift über eine schaurige Meerhexe vor. Ich hatte "Ein
Schiff für Hinnerk Himmelblau" aus der Koboldsanthologie im
Gepäck und las das Märchen aus "Der Leuchtturm am Rand der
Welt", ein Märchen aus dem ersten Kapitel von „Ein Prinz für
Movenna“, das ich erstmals bei einer Lesung "an lebenden
Menschen" ausprobiert habe. Mein Fazit zu diesem Text: Die
Probefahrt ist gelungen, aber ein paar Ecken sind mir beim Lesen
aufgefallen, die werden jetzt noch abgeschliffen. Ich habe ja auch
noch bis zum Herbst 2007 Zeit, wenn das Buch erscheinen soll.
„Jetzt könnt ihr Fragen stellen“, gab
Oliver nach der Lesung den Ring frei zum Löchern der Autoren. Wie
Ulrike zu ihrem Pseudonym „Emilia Jones“ gekommen ist, wollte
eine Zuhörerin wissen. Und plötzlich stürzten sich alle auf den Büchertisch
und wollten etwas von uns mit nach Hause nehmen. Damit hatte keiner
gerechnet. Ich muss wohl ziemlich blöd ausgesehen haben, als ich
permanent Kopfrechnen übte und nach Wechselgeld jammerte. Oliver
hatte nur sein eigenes Leseexemplar von „Noch mehr Gute Nacht
Geschichten“ dabei, doch selbst das hat jetzt einen neuen
Besitzer. Und Ulrike fand ein paar neue Fans für ihren Vampirroman
„Club Noir“ und die „Elfenschrift“.
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Petra und Oliver schreiben fleißig Autogramme ... |
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Und sonst? Der Feuertopf, der mich
letztes Jahr fast umgebracht hätte, ist diesmal von einem echten
Weichei zusammengerührt worden und hat richtig milde geschmeckt.
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Abends beim Thailänder ... |
Kerri und Ulli haben sich dann auch schon mal "fachmännisch" über das neue Sonderheft ausgetauscht ... |
| Auf der Rückfahrt noch anderthalb Stunden Aufenthalt in Hannover (Zugverspätung inklusive), dann eine nächtliche Autotour mit den letzten Gesängen der Äneis über die Dörfer, so dass ich gegen 1 Uhr morgens in Sillium aufschlug und ins Bett fiel. Nächstes Jahr geht es wieder auf die Odyssee. |
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Text: Petra Hartmann und Ulrike Stegemann · Fotos: Kerstin Dirks |